Um die Welt zu fliegen, um ein bisschen frei zu sein… Part I

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Es ist jetzt fast 20 Jahre her, dass ich mit nur einem Koffer am Hamburger Flughafen stand, um einige Stunden später ein ganz neues Leben zu beginnen- ein Leben über den Wolken…

Hätte man mir damals erzählt, was ich in den kommenden 20 Jahren alles erleben werde, wen ich kennenlernen und wie ich mich entwickeln würde- nun, ich hätte diesem Menschen kein einziges Wort geglaubt. Allerdings bin ich froh, über jedes Erlebnis, jeden Menschen, den ich kennengelernt habe, ob gut, ob schlecht und über all die Erfahrungen, die ich gemacht habe, denn ich wäre heute nicht die Frau, die ich bin, wäre ich nicht Flugbegleiterin geworden, bei der Fluggesellschaft mit dem Kranich.

Faszinierend ist tatsächlich meine eigene Entwicklung. Vom schüchternen Mädchen, dass sich hinter Büchern und der Geborgenheit des Elternhauses geradezu sicher verschanzt hatte, zu einer jungen Stadtmaus, die gern gesehener Partygast wurde und in der grossen, weiten Welt Zuhause ist, und schliesslich eine Mama wurde, die gern im Garten und im Haus für eine kuschlige Atmosphäre sorgt und Abends Gute-Nacht-Geschichten vorliest.

Wenn das mal kein Werdegang ist! Aber immer der Reihe nach: Ich selbst wollte nie Flugbegleiterin werden, sondern Architektin- so wie mein Vater, allerdings habe ich schon sehr früh gemerkt, dass mich mehr die Einrichtung interessiert, als der Baustil allein. Deshalb waren mein Vater und ich auch das perfekte Team, er baute die Legohäuser auf, ich richtete sie ein 🙂

Im Sommer 1999, ich machte grad ein Praktikum bei der Firma mit dem Magentalogo, rief mich meine Mama im Büro an und erzählte mir von einer Annonce der Deutschen Lufthansa im Hamburger Abendblatt. Das Problem war nämlich, dass ich sehr gut wusste, was ich nach der Schule nicht machen wollte, was ich aber machen wollte, wusste ich nur eingeschränkt, denn nach der Schule, erstmal wieder die Unibank drücken wollte ich auf gar keinen Fall!! Ich wollte arbeiten, aber nicht im Büro, ich wollte meine eigene Wohnung einrichten, und ich wollte weg- immerhin schon mal ein Plan, da kam die Annonce goldrichtig, wenn ich mir auch unter dem Berufsbild Flugbegleitung nicht so viel vorstellen konnte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich rief bei der angegebenen Telefonnummer an und hatte ein 15 minütiges Interview am Telefon, 3 Tage später bekam ich eine Einladung zu einem Assesment-Center in Frankfurt am Freitag, den 13 und am Montag lag dann ein kleiner Umschlag in der Post, mit einem Hinflugticket nach Frankfurt und einer Bestätigung für die Schulung zur Flugbegleiterin auf der Langstrecke der Deutschen Lufthansa- Beginn 08.11.1999…

Ich war nicht ganz allein, mit mir waren noch 19 andere junge Menschen im Kurs und für die nächsten 9 Wochen wuchsen wir zusammen, lernten, bereiteten uns auf Übungen vor und genossen die Weinseminare-gehörte damals zur Ausbildung dazu:-)

Am 23.12.1999 bekam ich die Lizenz zum Fliegen.

Nicht alle schafften den Abschluss, 3 mussten vorher gehen, denn so einfach und elegant wir auch aussehen, der Hauptgrund ist tatsächlich die Sicherheit an Bord und wer das nicht kann, sollte tatsächlich nicht an Bord eines Flugzeugs arbeiten. Zu unserer Ausbildung gehört vor allem die Evakuierung eines vollbesetzten Passagierflugzeuges, das Löschen verschiedenster Brände an Bord, sowie ausgeweitete erste Hilfe Kenntnisse und das Wiederbeleben eines Menschen, bis ein Arzt eine Diagnose stellt. Wir besitzen hervorragende Kenntnisse über gefährliche Güter, die mit oder meistens eben nicht mit an Bord gebracht werden dürfen. Wir können Verbände wickeln, Brüche schienen, Blutdruck und Puls messen, Babys auf die Welt bringen, mit allem was dazu gehört, sämtliche Wehwehchen behandeln, solange es keine apothekenpflichtigen Medikamente sind, dürfen wir auch die herausgeben. Aber auch für extreme Fälle sind wir sehr gut ausgestattet im Flugzeug, da kann der Kaffeegenuss schon mal weit nach hinten gestellt werden. Leider ist unser Hauptaugenmerk mittlerweile wie am Boden auch auf die sozialen Medien gerichtet und so braucht man immer einen, der schaut, dass niemand filmt oder Fotos macht für sein Reisealbum… Ich habe schon viel erlebt an Bord, allerdings hatte ich noch keine Geburt und es ist auch noch nie jemand gestorben, während meines Dienstes, aber es kommt vor und da ist unsere Firma sehr gut aufgestellt und hat tolle Teams, die sich sehr um die Kollegen kümmern.

Die meiste Zeit aber verlaufen die Flüge ruhig. Wir decken natürlich ein und servieren Getränke und Essen, wir sind wortgewandt, sehr weltoffen, kulturell interessiert und unglaublich freundlich und mit ein wenig stolz möchte ich doch auch sagen, die meisten von uns, sind auch bis ins hohe alter sehr hübsch anzusehen- alles Gründe, warum wir uns sehr ähnlich sind, vor allem was unser Verhalten angeht, weshalb wir uns auch oft sehr gut und sehr schnell verstehen, wir wurden so ausgesucht und ausgebildet. Ich finde es nach wie vor faszinierend, wie schnell man an Bord Freunde für ein paar Tage findet, wie schwer der Abschied fällt und wie schön es ist, sich Jahre später wieder zu sehen und sich zu erinnern. Wir fliegen nämlich nicht ständig mit denselben Menschen, sondern immer unterschiedlich zusammengewürfelt. Kürzlich bin ich mit einer Kollegin geflogen, mit der ich vor 18 Jahren in Singapur war, und das faszinierende war, dass wir uns nicht anunsere Namen erinnern konnten, aber den Flug und die schöne Zeit, damals noch 4 Tage vor Ort, die wir miteinander verbracht haben.

Ich finde es immer noch erstaunlich, dass es schon fast 20 Jahre her ist, aber natürlich rennt die Zeit beim fliegen fast noch schneller, als am Boden- allein wie oft ich umgezogen bin und wohin, könnte schon ein eigenes Buch füllen…

Aber davon später mehr, jetzt bin ich langsam müde, mein Flug aus Detroit gestern, war wieder mal eine Nacht ohne Schlaf und mit 41 kann ich auf jeden Fall sagen, ich brauche meinen Schlaf und ich geniesse es, morgen ist auch noch ein Tag, und dann plaudere ich mal aus dem Nähkästchen, was nach Ankunft so alles passiert im Reich der Streifen, ach ja, wir tragen nämlich mittlerweile alle Streifen an unserer Uniform. 🙂

Damals und heute 🙂 20 Jahre später und immer noch fröhlich beim Traumjob.

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